Cool Running – klimaneutrale Laufveranstaltungen in Ulm und Neu-Ulm

Cool Running – das ist das Motto für das Laufjahr 2020. Die Veranstalter von Einstein-Marathon und Co. haben sich das Ziel gesetzt, alle Laufveranstaltungen in diesem Jahr klimaneutral zu gestalten. Dabei setzen sie auf Unterstützung von Teilnehmern, Sponsoren und Partnern. Erreicht werden soll dies über eine Vielzahl an klimafreundlichen Maßnahmen im Rahmen der Läufe, z.B. freie Fahrt für alle Teilnehmer und Helfer bei allen Veranstaltungen im gesamten DING-Gebiet und durch Kompensation bzw. Investition in zwei regionale Klimaschutzprojekte. Am 13. Februar 2020 wird das Projekt erstmals öffentlich vorgestellt.

Laufen als solches ist klimaneutral. Doch Anreisen, Aufbauten, Verpflegung von Läuferinnen und Läufern, Catering fürs Publikum – all das erzeugt CO2 und Berge von Müll. Die Veranstalter des Einstein-Marathons haben errechnen lassen, dass allein an diesem Lauf-Wochenende mehrere Hundert Tonnen an CO2-Emissionen entstehen (zum Vergleich: ein Mittelklasse-Dieselauto stößt auf einer 100 Kilometer-Strecke etwa 15 Kilogramm CO2 aus). In Deutschland fanden 2019 fast 240 Marathon-Veranstaltungen statt. Gewaltige Mengen an Kohlendioxid wurden also allein bei diesen Ereignissen zum Wohl der Volksgesundheit in die Luft geblasen. Die Ulmer Reaktion darauf ist eine Strategie, unter die sämtliche SUN-Veranstaltungen im Jahr 2020 und auch 2021 gestellt werden: Vermeiden, was möglich ist. Verringern, wo es geht. Kompensieren, was noch nötig ist.

Um diesen Dreiklang zu erreichen, beabsichtig SUN, eine Vielzahl von Maßnahmen umzusetzen. Zwei vorrangige Themen:

– Um die CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren, müssen Autofahrten verringert werden. Möglichst viele Läuferinnen und Läufer sollen dazu bewegt werden, umzusteigen auf Bahn, Bus und Straßenbahn. Daher sollen alle Teilnehmer und ihre Begleiter zu allen Laufveranstaltungen kostenlose Tickets im Gesamtgebiet der Donau Iller Nahverkehrsverbundgesellschaft (DING) erhalten; dazu gehören auch die Straßenbahn- und Buslinien der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU).

– Nach den Laufveranstaltungen ist an einen ökologischen Ausgleich gedacht. Bei besagter Menge CO2 für den Einstein-Marathon läge der entsprechende Kompensationsbetrag für alle Laufveranstaltungen bei einem mittleren fünfstelligen Betrag. Da der CO2-Ausstoß freilich verringert werden soll, geht das ambitionierte Ziel über ein solches rechnerisches Zahlenspiel hinaus. SUN will dazu zwei Vorhaben realisieren: ein Aufforstungsprojekt und eine Photovoltaik-Anlage.

Verhandelt wird darüber zum einen mit dem Ulmer Stadtförster Max Wittlinger, der eine Aufforstungsfläche auf Ulmer Markung für ca. 7000 Bäume im Auge hat; zum anderen mit den SWU, die auf dem Bad Blau eine über den Einstein-Marathon finanzierte Photovoltaikanlage installieren werden (vor dem Bad Blau starten immer die alljährlichen Vorbereitungsläufe).

 

Alles in allem kalkuliert SUN mit einem Gesamtaufwand für die Klimaschutzmaßnahmen und die Kompensationen von ca. 50 000 Euro und weiteren 20 000 Euro für die freie Fahrt im Nahverkehr. Die Veranstalter belassen es dabei nicht bei Idee und Konzeption, sondern gehen auch bei der Finanzierung voran. Das SUN Sportmanagement steuert 20 000 Euro bei. Außerdem bezahlt jede/r Teilnehmer/in bei Anmeldung einen Öko-Euro extra. Macht bei ca. 20.000 Teilnehmern über alle Veranstaltungen in einem Jahr weitere 20 000 Euro. Nochmals 20 000 Euro kommen von einer Gruppe aus Förderern und Sponsoren, dabei handelt es sich um die Sparkasse Ulm, Radio 7, DING, Bad Blau, WMF Betriebskrankenkasse und die Firmen Beurer, Gold Ochsen, engineering People, Seeberger, Bantleon, Hammer, Hensoldt und Sport Sohn.

 

Und eine weitere Unterstützung wünschten sich die Veranstalter von öffentlicher Seite. Mit Erfolg: Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch unterstützt die Bemühungen um Klima- und Umweltschutz. Der OB ist auch angetan von der SUN-Initiative, einen Klimabeirat ins Leben zu rufen. Dieser kleine Kreis von Fachleuten wird die Laufveranstaltungen bei Naturschutz, Klimaschutz und Müllvermeidung beraten, die einzelnen Projekte mit SUN analysieren und weiterentwickeln.

 

Kein sinnvoller Klimaschutz ohne weitere Aktivitäten zum Energiesparen und zur Müllvermeidung. Keinem soll dabei der Spaß am Laufen genommen werden, niemand soll sich in ökologischer Korrektheit verrennen. SUN setzt auf viele kleine Maßnahmen, die eher unbemerkt und niederschwellig daherkommen. Stichworte:

– Einsatz von Naturstrom, wo möglich, etwa in den Zieleinlauf-Bereichen oder bei der Marathon-Messe;

– Elektromobile als Führungsfahrzeuge bei den Läufen;

– Einsatz klimafreundlicher Textil-Produkte (ein Beispiel sind T-Shirts aus recyceltem Kunststoff beim Frauen-Lauf und Einstein-Marathon);

– einheitliches Helfer-Shirt, das mit Anteilen aus Hanf und Öko-Baumwolle hergestellt wird.

 

Eine große Herausforderung bildet eine sich an ständig neuen Erkenntnissen orientierende Müllstrategie. Dazu kooperiert SUN mit den städtischen Entsorgungsbetrieben (EBU). Beispiele für konkrete Schritte, Überlegungen und Absichten:

– recycelbare oder kompostierbare Trinkbecher mit speziellen Auffangbehältern an den Versorgungsstationen;

– neues Entsorgungssystem mit frühzeitiger Mülltrennung im Zielbereich;

– bei den Vorbereitungsläufen Einsatz wieder verwendbarer Mehrwegbecher;

– Verzicht auf gedruckte Urkunden, die nur noch übers Internet angeboten werden;

– das Laufmagazin ist mit entsprechender Zertifizierung CO2-neutral hergestellt worden, Verteilung an einzelne Teilnehmer/innen nicht mehr per Post, sondern als E-Magazin per Mail;

– weitgehender Verzicht auf Papier-Infoflyer;

–  Starterbeutel aus Eco-Polyester, Verzicht auf Plastik-Produkte im Inhalt;

– kompostierbares Geschirr auf der Spätzles-Party;

– kleine Prämien für Läufer/innen, die mit dem Fahrrad zu den Laufveranstaltungen  kommen;

– Umstellung der Verpflegung an den Versorgungsständen und im Ziel auf nachhaltiges Obst;

– keine Marathon-Finisher-Jacken mehr aus Kunststoff, Alternative aus Baumwolle;

– Klimaneutrale Eingabe der Nachmeldungen über von menschlicher Energie angetriebenen Rechnern.

Um möglichst fundiert an dieses Thema heranzugehen, werden sich die Veranstalter einen Klimabeirat an die Seite holen. Hierfür haben Sie bereits Zusagen von folgenden Experten in ihren Bereichen:

  • Prof. Dr. Martin Müller vom Lehrstuhl für nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Ulm
  • Dr. Guido Kuchelmeister, Klimaschutz-Experte und Projektleiter von verschiedenen Initiativen u.a. auch in China und Afrika
  • Harald Molle, Ingenieur und Gründer der Ideen-Schmiede NewTec, und Experte bez. CO2-Auswirkungen aller Art, begeisterter Läufer
  • Petra Schmitz, Diplom-Physikerin und seit vielen Jahre Leiterin des Agenda-Büros der Stadt Ulm und zuständig für erneuerbare Energien, umweltverträgliche Mobilität und nachhaltigen Konsum
  • Hans-Uli Thierer, Journalist, Medien-Experte und Marathon-Finisher

 

Man sieht: Der Einstein-Marathon ist also vor seiner 16. Auflage gehörig in Bewegung geraten. Er soll ergrünen.

INFO
SUN Sportmanagement GmbH veranstaltet 2020 nicht nur den Einstein-Marathon (27. September). SUN verantwortet auch den Spindelsprint im Blautal-Center (25. April), den AOK-Firmenlauf (27. Mai), Pixabay-Münsterturmlauf (20. Juni), den Spartacour-Hindernislauf (21. Juni) und den Beurer Frauenlauf (10. Juli).